Zecken in Feld, Wald und Garten - Erkrankungen / Pathologie - 03. September 2010
 
 

Zecken in Feld, Wald und Garten


Die Zecke braucht, um Eier ablegen zu können, also aktive Fortpflanzung betreiben zu können, eine Blutmahlzeit, denn diese Mahlzeit gibt der Zecke Kraft für den Kräfte zehrenden Vorgang der Eiablage. Ihr mit Blut voll gesaugter Körper ist bis zu 200 Mal schwerer als im Normalzustand. Der Holzbock, eine von über 800 verschiedenen Zeckenarten, legt bis zu 3000 Eier ab und stirbt im Anschluß an diesen Kraftakt.

Der in Deutschland verbreitete Holzbock sitzt in Lauerstellung an Grashalmen und im Unterholz und wartet dort mit ausgestreckten Beinen darauf, sich von einem entsprechenden Wirt (Mensch oder Tier) abstreifen zu lassen. Eine ausgewachsene Zecke kann bis zu 1,50 m hochklettern und befindet sich gerne in Knie- bis Hüfthöhe. Allerdings benötigt die Zecke Feuchtigkeit. So ist der Morgentau eine Oase für die Zecke. Wenn die Sonne den Tau abgetrocknet hat, klettert die Zecke in die unteren Schichten des Grasbüschels oder in das Unterholz um nicht zu vertrocknen. Zecken lassen sich nicht jubelnd von Bäumen fallen.

Im Winter verharren die Zecken im Laub und können dort bis zu einem Jahr ohne Nahrung überleben.
Die Zecke nimmt menschliche bzw. tierische Gerüche, wie zum Beispiel Buttersäure und Ammoniak über den Schweiß oder Kohlendioxid über den Atem wahr. Auch kann sie Vibrationen, Wärme und Schatten unterscheiden.
Die Zecke ist kein Jäger, sondern wartet geduldig auf ihren nächsten Wirt in der Hoffnung, daß er nah genug bei ihr vorbeistreift. Sie greift blitzschnell mit ihren Krallen an ihren Vorderbeinen nach Haut, Fell oder auch Kleidung und klammert sich fest. Einmal in Sicherheit sucht sie die gut durchbluteten Stellen am Körper des Wirts auf, im ihre Mahlzeit zu zelebrieren.

Im Vergleich zur Stechmücke ist der Stechapparat der Zecke viel größer und gröber, jedoch bereits während des Stechvorgangs sondert die Zecke mit ihrem Speichel ein Betäubungsmittel ab, welches auch Entzündungen am Einstich sowie die Gerinnung des angesaugten Blutes verhindert.
Während des Stechvorgangs können mit dem Speichel bereits Krankheitserreger in das Blut des Wirts abgesondert werden.

Hierzu zählen die FSME-Viren sowie die Borrelliose. Man sollte wissen, daß auf 1 FSME-Viren-Infizierung 200 Borreliose-Erkrankungen kommen, die zum großen Teil erst nach Monaten bis Jahre später zu den gefürchteten Krankheitssymptomen führen.

Gegen FSME-Virusinfektion, der Hirnhautentzündung, kann man sich impfen lassen in einer 3-Phasen-Impfung. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt des Vertrauens.

Die Krankheitserreger der Borreliose können derzeit nicht präventiv durch entsprechende Impfungen inaktiv gemacht werden, da leider noch kein Impfstoff zur Verfügung steht. Der in den USA erhältliche Impfstoff ist nur gegen die dort auftretende Form der Borreliose wirksam, nicht gegen die europäische.

Die Borreliose wird von einem spiralförmigen Bakterium ausgelöst, welches sich im Frühstadium gut mit entsprechenden Antibiotika in Tablettenform behandeln lassen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Bakterien während des Verdauungsvorgangs der Zecke, die im Wirt vonstatten geht, erst nach mehreren Stunden des Saugaktes in das Blut des Wirts gelangen. Je schneller also die Zecke enfernt wird, um so niedriger ist das Risiko an Borreliose zu erkranken. 

Im Spätstadium ist eine massive Behandlung mit Antibiotika-Infusionen notwendig. Krankheitsanzeichen von Hirnhautentzündung, starken Schmerzen, Herzprobleme bis hin zu Gesichtslähmungen wurden im Stadium II beobachtet. Im Stadium III, dem chronischen Spätstadium treten häufig Gelenkentzündungen auf und die Haut des Patienten kann sich wie Pergamentpapier anfühlen.

Die Borreliose-Erkrankung ist nicht ansteckend und wird nur von der Zecke durch Biß übertragen.

Prävention können nur Sie selbst ausüben, in dem Sie sich, ob beim Spaziergang in Feld und Wald oder bei der Gartenarbeit, durch entsprechende Kleidung vor diesen kleinen Tierchen schützen. Tragen Sie bitte festes Schuhwerk, eng anliegende, helle Hosen; säubern und entzecken Sie sich vor dem Betreten der Wohnung und kontrollieren Sie unbedingt auch Ihre Haut an den Achselhöhlen, im Schambereich, am Nacken hinter den Ohren und im Kniekehlenbereich.

Sollten Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einmal von einer Zecke gebissen worden sein, so wird sie noch in Ihrer Haut stecken. Bitte bedienen Sie sich dann einer Zecken-Pinzette. Sollte diese Aktion erfolglos verlaufen, lassen Sie schnellstmöglich einen Arzt die Sache zu Ende bringen. Bei dieser Gelegenheit sollte unbedingt auch direkt Ihr Blut auf Erreger der Borrelioseerkrankung untersucht werden. Sollte sich eine Entzündung um die Einstichstelle zeigen, so sollten Sie diese unbedingt Ihrem Arzt zeigen, damit er entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.

Die Zecke ist nicht nur im Sommer aktiv. Bereits Ende Januar 2009 wurde die erste Infektion des FSME gemeldet.

In gefährdeten Gebieten sollten die Kinder einer besonderen Schutzmaßenahme unterzogen werden. Es gibt gute Anti-Mücken-Sprays, die auch gegen Zecken hervorragend wirken. Bitte machen Sie es besonders bei den Kindern den Zecken recht ungemütlich und verderben ihnen die Blutmahlzeit. Kinder lassen sich im Sommer nicht immer so kleiden, wie es die Schutzmaßnahme vorsieht, doch sollten wenigstens die entsprechenden Hautpartien präpariert werden.