Unser Darm - die Jauchegrube
In 75 Jahren Leben werden mehr als 30 to Nahrung sowie 50 000 l Flüssigkeit durch den Organismus geschleust.
Der Darm hat eine Oberfläche von 150 und 200 qm, also so groß wie ein Fußballfeld. Wenn man davon ausgeht, daß sich im Darm eine Schmutzschicht mit einer 1/10 mm Dicke befindet, so kann man davon ausgehen, daß sich in unserem Darm eine Gülle von 15 kg bei dünnster Schmutzschicht befindet.
Der Darm ist das größte Immunorgan mit mehr als 70 % aller Abwehrzellen.
Dung, Schleim und fermentierte Bazillen, gefährliche Bakterien und Pilzparadies, bis zu 500 Spezies, tummeln sich nun in unserem Darm. 50% des Kots besteht aus abgestorbenen Bakterien.
Die Darmwände sind die effektivste Verteidigungslinie des Organismus; Abwehrzellen sind direkt mit dem Bauchhirn verbunden und müssen zu jedem Moment, an dem der Mensch einen Atemzug macht, zwischen guten und bösen Erregern unterscheiden. Diese Informationen werden abgespeichert und bei Bedarf abgerufen. Passiert ein böser Erreger den Darm, so wird sofort ein Alarmsignale an das Kopfhirn abgegeben, was wiederum den Impuls auslöst: krank machende Erreger ausleiten durch Erbrechen, Krämpfe, Entleerung.
Der Mund, die Speiseröhre sowie ein Teil des Magens wird vom Kopf gesteuert. Ab dem Magenausgang wird auf das Bauchhirn umgeschaltet. Die Daten seiner Sensoren generiert das Bauchhirn selbst und gibt den Nachbarorganen Anweisungen. Die Infektabwehr sowie die Muskelbewegung des Darms wird selbst koordiniert. Das Darmhirn muß sich schnell entscheiden und gespeichertes Wissen abrufen. Erst am Ende der Reise durch unseren Darm bestimmt das menschliche Gehirn, wann die Gülle entsorgt wird.
Um den Transport über die große Strecke zu ermöglichen, werden mehrere hemmende und aktivierende Schaltkreise, nur wenige Millimeter lang und wie die Perlen einer Kette aufgereiht, nacheinander angeregt. Das "kleine Hirn" ist verantwortlich für ein hochsensibles, fein austariertes Gleichgewicht. Wird das hemmende System zu stark, entspannt der Darm so sehr, dass er gelähmt wird; chronische Verstopfung ist die Folge. Ist dagegen das "erregende System" zu stark, erfolgt ein beschleunigter Transport. Die Folge ist Durchfall.
Bei einer Antibiotikabehandlung ist die Stelle im Darm, die für die Aufnahme der Nährstoffe zuständig ist, für ca. 6 Wochen lahmgelegt, so daß nur mäßig bis keine Nährstoffe in den Blutkreislauf abgeben werden können.
Bewegungsstörungen des Darms gehen auf das Konto der baucheigenen Nerven. Durch die all zu langsame Passage des Nahrungsbreis durch die Verdauungsschläuche stehen die Schleimhautzellen länger als nötig in Kontakt mit potenziell krankheitserregenden Bestandteilen.
Zur Gesunderhaltung des Darms und seinem Nervennetz ist es unerläßlich, eine gute Darmflora zu erhalten bzw. zu schaffen. Eine Darmsanierung unter ärztlicher Aufsicht ist anzuraten.